Wachkoma und Ethik

Viele Menschen erleiden eine Hirnschädigung nach einem Unfall, einem Hirnschlag, einer Blutung, einer Schädelverletzung oder durch einen Herz-Kreislaufstillstand mit verspäteter Reanimation.
Die Notfall- und Intensivmedizin hat diese Menschen zwar dem Tod entrissen, aber sie sind in ein Wachkoma gefallen, weil sie eine Hirnschädigung erlitten haben.
Menschen im Wachkoma sind keine Sterbenden! Wachkoma-Patienten sind lebende Menschen. Sie sind nicht mehr auf intensivmedizinische Apparate angewiesen, atmen selbstständig, ihr Herz schlägt, und die inneren Organe funktionieren.
Diese Menschen haben ein Lebensrecht. Eine Abstufung der Menschenwürde aufgrund körperlicher und geistiger Beeinträchtigung darf es nicht geben. Wir dürfen Menschen nicht in ein menschenunwürdiges Leben hineindefinieren.

Niemand kann genau sagen, was diese Patienten fühlen und mitbekommen oder wie sie ihre Situation erleben. Keiner kann exakt prognostizieren, welche Fähigkeiten zurückkommen. Etliche der Wachkoma-Patienten erlangen ihr Bewusstsein nach Wochen und Monaten zurück. Es verbleiben unterschiedlich ausgeprägte körperliche und/oder geistige Folgeschäden.
Eine möglichst früh angesetzte Rehabilitation erhöht die Chance zur Wiedererlangung körperlicher und geistiger Fähigkeiten.
Wachkoma-Patienten mit einer möglichen Chance zur Verbesserung ihrer körperlichen und geistigen Situation verbleiben in der Menschenwürde.
Wachkoma-Patienten in einer stagnierenden Situation - auch bei hohem pflegerischen Aufwand - verbleiben in der Menschenwürde.
Menschenwürde ist nicht abhängig von der Funktionalität des Menschen.
Menschenwürde gehört zum Menschen im Wachkoma.